Unter dem Titel »Biostrom, nein danke!« veröffentlichte die »ZEIT ONLINE | UMWELT« einen Artikel zum Thema Bioenergie, den nicht nur die Naturenergie Glemstal für unzureichend recherchiert hält. Im Folgenden ein Leserbrief an die Redaktion »ZEIT ONLINE« des Biogasrats e.V.
ZEIT ONLINE-Artikel »Biostrom, nein danke!
Leserbrief an die ZEIT-Redaktion »Biogas nicht für Artensterben und Bodenerosion verantwortlich«
Mit großer Verwunderung nahm ich gestern Ihren Artikel zum Thema Bioenergie "Biostrom, nein danke!" zur Kenntnis. So bin ich von der ZEIT doch wesentlich reflektiertere und fundierter recherchierte Artikel gewohnt. Sie schreiben, dass die Artenvielfalt, insbesondere die der Vögel, durch die Bioenergie gefährdet wäre. Zunächst möchte ich hierzu hervorheben, dass das Vorhandensein von Biogasanlagen keine Monokulturen fördert. Die Landwirte sind auch als Betreiber von Biogasanlagen dazu angehalten, die dreigliedrige Fruchtfolge einzuhalten, um somit die Fruchtbarkeit ihrer Böden zu sichern. So müssen Landwirte- egal wofür sie ihre landwirtschaftliche Fläche nutzen - im Rahmen der Cross Compliance Verpflichtungen jährlich ihre Feldbestellung nachweisen und einem Umweltgutachter vorzeigen. Des Weiteren fand die Justus-Liebig Universität Gießen heraus, dass erst ab einem Anteil von 60% der Maisfläche an der Ackerfläche ein verstärkter Artenverlust festzustellen ist. Diese Problematik ist allerdings nur in 15 von 421 Landkreisen anzutreffen. Dementsprechend kann von keiner flächendeckenden Problematik, wie Sie es tun, gesprochen werden. Im Übrigen ist für den Anbau von Mais überwiegend der Bedarf an Futtermitteln verantwortlich, der in Veredelungsregionen mit Massentierhaltung besonders hoch ist. Alle Landkreise mit einem Maisanteil an den Ackerflächen von über 60 Prozent liegen in solchen Veredelungsregionen oder Regionen mit sehr hoher Milchviehdichte. Wer Fruchtfolgen noch nachhaltiger durchsetzen will, wer Ackerrandstreifen ausdehnen will, der muss die Bedingungen für eine nachhaltige Landwirtschaft insgesamt verbessern und kontrollieren. Und daran würde der Biogasrat e.V. gerne mitwirken.
Ähnlich abwegig ist auch Ihre Argumentation hinsichtlich von Bodenerosionen. Grundsätzlich gilt, dass ein wirksamer Schutz gegen jegliche Art von Erosion und Verwehungen nur lokal angepasste Maßnahmen wie die Anlage von Wällen oder Hecken bieten, sowie der Anbau von Zwischenfrüchten bietet. In diesem Zusammenhang möchte ich eindeutig klarstellen, dass die von Ihnen angeführten Verwehungen, die die tragische Massenkarambolage auf der A19 nahe Rostocks verursachte, nicht auf den Anbau von Biomasse für die Bioenergie, auch nicht auf den Anbau von Mais zu anderen Zwecken, zurückzuführen ist. So wollte der Landwirt – gemäß der Fruchtfolge – auf dem, durch fehlendene Niederschläge und trocknende Winde, sandigen Boden Kartoffeln anbauen. Insgesamt ist in diesem Zusammenhang anzumerken, dass in Mecklenburg der Energiemaisanteil laut top-agrar online bei lediglich 5% liegt und dementsprechend keine solch einschneidenden ökologischen Auswirkungen verursachen kann. Ich bin sehr entrüstet darüber, dass Sie sich als renommierte Zeitung in Ihrer Argumentation fälschlicherweise dieses schrecklichen Unfalls bedienen und damit auf dem Rücken der Opfer falsche Zusammenhänge aufzeigen.
Weiter beziffern Sie erstaunlich hohe Prozentsätze bezüglich des Methanschlupfes. Studien des DeutscheBiomasseForschungsZentrums (DBFZ) beziffern diesen Verlust beim heutigen Stand der Technik allerdings auf etwa Prozent, Tendenz sinkend. Die Treibhaushausbilanz von Biogas und Biomethan ist besser, als bei Photovoltaik und natürlich bei allen fossilen Energieträgern. Das haben wir erst jüngst in einer öffentlich zugänglichen Studie „Optimierung der marktnahen Förderung von Biogas/Biomethan unter Berücksichtigung der Umwelt- und Klimabilanz, Wirtschaftlichkeit und Verfügbarkeit" nachgewiesen (Download: www.biogasrat.de).
Sie kritisieren den Dauerbetrieb von Biogasanlagen, weil dadurch neben Strom auch zu viel ungenutzte Wärme produziert wird. Die Biogasanlage selbst ist wegen des biologischen Prozesses auf kontinuierlichen Betrieb angewiesen. Das dort erzeugte Biogas speist ein Blockheizkraftwerk, das Strom und Wärme liefert. Bislang durfte auch ausschließlich Strom produziert werden. Erst mit dem neuen EEG wird es die Verpflichtung geben, die gleichzeitig erzeugte Wärme nachweislich sinnvoll einzusetzen. Neue Biogasanlagen werden also an Standorten mit ständig hohem Wärme- oder auch Kältebedarf stehen. Viel interessanter ist jedoch die Einspeisung von Biogas in das Erdgasnetz. Das garantiert kontinuierliche Produktion und flexible Anwendung des Bioerdgases, das beliebig speicherbar, für die Strom-und Wärmerzeugung und als Kraftstoff einsetzbar ist.
Der Biogasrat e.V. steht Ihnen mit seinem Fachwissen für Rückfragen gerne zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
Reinhard Schultz