Ulrich Ramsaierwir betreiben in der Region Stuttgart mehrere Biogasanlagen auf Basis von Gülle und Mais, um in Blockheizkraftwerken Strom und Wärme aus erneuerbaren Energien zu erzeugen.
Außerdem sehe ich mich als Sohn einer Familie von Landwirten, die seit Generationen im Strohgäu diesem Beruf nachgeht, in der Pflicht, zu ihrem Artikel Stellung zu beziehen.
Der Artikel vom 09.01.2011 in der Sonntag Aktuell zeigt nur die Probleme, die mit dem Maisanbau zusammenhängen, ohne auf die positiven Effekte der Energieproduktion aus nachwachsenden Rohstoffen und Gülle einzugehen. Den Artikel halte ich für schlecht und einseitig recherchiert, bei dem nur die Kritiker zu Wort kommen.
Ich möchte dies an einzelnen Punkten ihres Artikels festmachen:
Der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) hat jahrzehntelang dafür gesorgt, dass die Erzeugerpreise für die Landwirte auf einem nicht auskömmlichen Niveau waren. Somit hat der DRV tatsächlich an der Produktion von nachwachsenden Rohstoffen kein Interesse, weil erstens die Handelsebene nicht mehr gebraucht wird und die Landwirte selbst ihren Rohstoff veredeln können, und zweitens die Erzeugerpreise für Getreide tatsächlich auf ein für die Landwirte auskömmliches Niveau steigen könnte. Dies könnte zu Lasten der Verdienstmargen des Handels gehen. Dass Kartoffeln in Deutschland oder gar global knapp sind, ist vollkommener Unsinn. Die Erzeugerpreise für Kartoffeln sind in den letzten beiden Jahren eher gesunken als gestiegen. Somit muss die Marktversorgung ausreichend gegeben sein. Pachtpreise wurden immer wieder in einzelnen Regionen angeheizt. In der Vergangenheit von Schweine- und Hühnerproduzenten, in einzelnen Regionen von Kartoffel- und Gemüseproduzenten. Wenn Produzenten von nachwachsenden Rohstoffen für Flächen im Einzelfall mehr bezahlen als es der Ertragswert zulassen würde, ist dies bedauerlich, jedoch nicht zu verhindern und zu beeinflussen. In den Maishochburgen zwischen Lörrach und Offenburg wird nicht erst heute, sondern bereits seit Jahrzehnten Körnermais als Grundlage für die billige Fleischproduktion angebaut. Zu diesem Thema habe ich noch nie einen Artikel gelesen.
Bei einer Fruchtfolge von Getreide, Zuckerrüben und Mais mit entsprechender Gründüngung und damit einer ausgeglichenen Humusbilanz, wie sie durch die Vorschriften der EU, des Bundes und des Landes vorgeschrieben wird, kommt es zu keiner Humuszehrung. Im Artikel wird von „oft Zehntausende Quadratmeter großen Feldern" gesprochen. Ein Hektar hat bekanntlich 10.000 m², somit meinen sie wohl mehrere Hektar große Felder. Diese sind um vernünftige Landwirtschaft zu betreiben die absolute Untergrenze an Flächengröße. Wie mit Feldern unter einem Hektar eine nachhaltige Landwirtschaft, die die Grundsätze von Bodenfruchtbarkeit, Düngung und Pflanzenschutz beachtet und dabei noch Lebensmittel zu niedrigen Preisen produzieren sollen, ist mir ein absolutes Rätsel. In Baden-Württemberg sind durch die Realteilung die Flächen eher deutlich zu klein als zu groß.
Die Argumente, die für eine nachhaltige Biogasproduktion mit Wärmenutzung sprechen, will ich Ihnen am Beispiel unserer Biogasanlage "Haldenhof" in 71282 Hemmingen erläutern:
Die Anlage hat eine elektrische Leistung von 625 kW. Diese Leistung wurde aufgrund des Rohstoffangebotes und des Wärmeabsatzes so gewählt. Wir produzieren damit ca. 5.000.000 kWh Strom pro Jahr. Hiermit lassen sich ca. 1.600 Haushalte das ganze Jahr mit Strom versorgen. Der Strom ist grundlastfähig und somit für den Netzbetreiber planbar. Durch dezentrale Erzeugung wird das Stromnetz entlastet und die Wärme im Gegensatz zu Großkraftwerken nahezu vollständig genutzt. Wir produzieren ca. 5.000.000 kWh Wärme aus dem Blockheizkraftwerk, die wir für die Gebäudeheizung eines Schul- und Sportzentrums in Schwieberdingen und für die Grundlastversorgung von ca. 500 Wohnungen und einiger Gewerbebetriebe in Hemmingen verwenden. Wir ersetzen damit jährlich ca. 550.000 Liter Heizöläquivalent, das nicht importiert werden muss. Die Anlage vergärt die Gülle von 220 Rindern und sorgt so für eine deutlich positive Klimabilanz der Milch- und Rindfleischproduktion. Durch die Biogasanlage werden jährlich ca. 4.500 to CO2 eingespart. Dies selbstverständlich unter Berücksichtigung aller CO2-Emmissionen in der vorgelagerten Produktion. Die Anlage benötigt außerdem Mais von ca. 200 ha Ackerland. Diesen Mais kaufen wir von Landwirten aus Hemmingen und den direkt angrenzenden Orten Schwieberdingen, Münchingen und Schöckingen. Diese Orte verfügen insgesamt über ca. 3.400 ha Ackerland (s. Anlage), somit entspricht der Maisanbau für unsere Anlage ca. 5,8 % der gesamten Ackerfläche dieser Orte. Die mittlere Transportentfernung beträgt weniger als 5 km.
Der allergrößte Teil der Maislieferanten hat bereits vor der Biogasanlage Mais angebaut und diesen entweder als Körnermais verkauft oder als Silomais den eigenen Tieren verfüttert. Allerdings ist in den letzten Jahren die Tierhaltung aufgrund der ruinösen Preise in der Region stark zurückgegangen. Kein uns liefernder Landwirt baut Mais in Monokultur an, sondern im Rahmen einer i.d.R. dreigliedrigen Fruchtfolge mit Getreide und Zuckerrüben. Wir beschäftigen für die Strom- und Wärmeproduktion Mitarbeiter und Handwerker, die die Anlagen bauen und warten. Wir kaufen für ca. 350.000 € pro Jahr Mais in der Region ein. Dieser Betrag ist bisher für den Rohöl oder Erdgaseinsatz in andere Regionen abgeflossen. Wir leisten durch diese Art der Energieproduktion einen erheblichen Beitrag zur Schließung von regionalen Wertschöpfungskreisläufen.
Noch einige grundsätzliche Bemerkungen zur Landwirtschaft im Allgemeinen: Landwirte müssen wie alle anderen Teilnehmer am Wirtschaftsgeschehen Geld verdienen. Wenn ihnen dies nicht möglich ist, werden sie mit der Landwirtschaft aufhören und Berufen nachgehen, wo dies möglich ist. Wenn ein auskömmliches Einkommen aufgrund der Überproduktion von Nahrungsmitteln nicht gegeben ist, haben Landwirte das Recht und die Pflicht auf Alternativen wie den Energiepflanzenanbau auszuweichen, dies entlastet die Märkte und sorgt auch in der Nahrungsmittelproduktion für angemessene Erzeugerpreise. Landwirte sind auf den Grund und Boden als Produktionsfaktor elementar angewiesen und bewirtschaften die Flächen so, dass auch künftige Generationen noch Landwirtschaft betreiben können. Landwirte werden von rechtlichen Rahmenbedingungen zu recht in einem hohen Maße reglementiert und kontrolliert. Wenn aufgrund der Energiepflanzenproduktion die Verbraucherpreise ansteigen würden, wäre dies nur logisch und gerechtfertigt. Wobei ich und viele Experten eher der Meinung sind, dass durch Klimaverschiebung und zurückgehende Anbauflächen bei gleichzeitiger massiver Spekulation mit Nahrungsmittelrohstoffen die Preise eher steigen, als durch die Energiepflanzenproduktion. In den letzten Jahren wurde häufig der für die Landwirte nicht auskömmliche Milchpreis thematisiert. Wenn nun die Preise steigen ist offensichtlich die Solidarität mit den Landwirten in den Hintergrund gerückt und die Milchpreissteigerung bei Aldi&Co. von 0,39 €/Liter auf 0,49 €/Liter wird als bedeutsamer angesehen. Durch die Überproduktion der westlichen Industrieländer in den letzten 50 Jahren ist der Weltmarkt vor allem in den Entwicklungsländern mit billiger und teilweise hochsubventionierter Ware überschwemmt worden. Dadurch konnte die heimische Landwirtschaft nicht im Wettbewerb bestehen und wurde zum großen Teil aufgegeben.
Sehr gerne lade ich Sie zu einem Vororttermin auf unserer Biogasanlage ein, damit Sie sich ein persönliches Bild von der Anlage und unserem Konzept machen können und auch über positive Beispiele der Biogasproduktion im Großraum Stuttgart berichten können.
Wir legen einen Prospekt unserer Anlage und die Einladung für unseren Tag der offenen Tür im September des letzten Jahres bei, zu dem wir auch die Redaktion von Sonntag Aktuell eingeladen haben, aber leider keine Antwort bekommen haben. Der Tag war im Übrigen ein voller Erfolg, bei dem sich viele interessierte Bürger von unserer nachhaltigen, erneuerbaren und zukunftsfähigen Bioenergieproduktion ein vorurteilsfreies und umfassendes Bild machen konnten. Es wäre schön gewesen auch Sie hätten dies getan.
Ulrich Ramsaier,
Naturenergie Glemstal Biogas GmbH&Co.KG